Sonntag, 19. November 2017
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27.05.2009 Von: Gault Millau 2009

Erstklassige Küche - 13 Punkte


Die Tatsache, dass der Dichter Johann Peter Hebel, der eingie Jahre Lehrer im nahen Lörrach war, hier seine Viertele schlotze und dies auch dankabar besang, begründete der Ruhm der Alten Post. Das historische Herzstück des unlängst umfassend renovierten Hauses ist die holzgetäftelte Hebelstube, wo das Andenken des Poeten liebevoll gepflegt wird. Der rührige Hotelier Heiner Mack, der früher selbst kochte, kaufte schon bei Biobauern und auf Demeterhöfen, als dies noch im Ruche grüner Spinnerei stand. Weil aber vor lauter Gesundheitsbewusstsein der Genuss zuweilen auf der Strecke blieb, strichen wir die Alten Post von unserer Liste - Vitamine ohne Wohlgeschmack machen nämlich nicht gesund sondern krank.

Olaf Wortmann, der neue Mann am Herd, erspart einem mit seinem abwechslungsreichen badisch-mediterranen Küchenmix freudlose Körnerfresserei. An ökologischer Orientierung und engem Kontakt zu regionalen Erzeugern hält er fest, doch für Spass am Essen ist gesorgt - etwa bei hausgemachten Kartoffelfagottini, toskanischem Gemüse / Brot-Salat, Terrine vom Ziegenfrischkäse, rosmarin- und knoblauchwürziger Dorade Royal oder Rehvariationen aus heimischer Jagd.

Was alles nicht heißt, dass Wormann an seinen Zubereitungen nicht noch feilen könnte. Die angenehm kräutrige Saiblingsterrine an Kreesseschaum beispielsweise ging in einer jener Salatorgien unter, die uns in der Hebelstube schon öfter die Laune verdarben. Und Mandelbrokkolci mögen ja überaus vitalisierend sein, müssen aber nicht so langweilig schmecken und auch nicht als Passepartout-Beilage fast überall auftauchen. Überhaupt würden wir dem jungen Chef empfehlen, mal beim Berliner Gemüse-Großmeister Michael Hoffmann zu hospitieren- dies wäre sicher nicht nur für Ihn ein Gewinn, sondern auch für seine Gäste.

Nicht vergessen wollen wir, die Qualität des Wiesentäler Rinderfilets zu rühmen, das mit deftigem Ochsensschwanzragout einen starken Auftrit hatte - nur die leicht verbratenen Schupfnudeln störten. Zum  (nicht zu ) süßen Schluss werden vergnügliche Desserts von Apfelschlupfer bis Passionsfruchtfeuilleté geboten. Da die Portionsgrößen zu eher ungesunder Völlerei verführen, genügt vielleicht auch eine erfrischende schwerelose Buttermilchmousse mit marinierten Beeren.

Die Weinkarte verheißt schönste Gewächse des Markgräflerlandes und der angrenzenden Gebiete. Die eifrigen Servicemaiden haben das Lächeln gut geübt und erfreuen bei Terrassenwetter auch im schattigne Kastaniengarten.