Sonntag, 19. November 2017
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20.09.2013

Gasthäuser, die Geschichte erzählen

Buchvorstellung in der Alten Post in Müllheim, die mit weiteren vier Häusern in der Region in der Veröffentlichung eine Rolle spielt.


 MÜLLHEIM. Einen besseren Ort für die Präsentation seines neuen Buches als die "Alte Post" konnte Frank Joachim Ebner nicht finden. Dreht sich dieses doch um historische Gasthäuser in Baden. "Geschichtsunterricht der besonderen Art in Badens schönsten Klassenzimmern" nennt Ebner sein Opus, oder auch "Handbuch für Zeitreisende". Schon aus diesen Formulierungen spricht die Leidenschaft, mit der Ebner diese Häuser, ihre Geschichte und Geschichten und ihre Umgebung erkundet hat. 25 von ihnen porträtiert Ebner, dessen eigentliche Profession bei Arbeitsagentur Konstanz ursprünglich eine andere ist, auf 210 Seiten, die Illustrationen stellen auf reizvolle Weise heutige Fotos alten Ansichten gegenüber. Einige Beiträge stammen auch aus der Feder des Schriftstellers und Journalisten Hubert Matt-Willmatt sowie der am Bodensee ansässigen Reiseschriftstellerin Brigitte Schäfer. Zwischen Bodensee und südlichem Oberrhein ist Ebner fündig geworden, eine erstaunliche Dichte an historischen Gasthäusern findet sich im Markgräflerland mit dem Schwanen in Seefelden, der Alten Post in Müllheim, dem Ochsen in Feldberg, dem Löwen in Staufen und dem Rebstock in Sulzburg. "Bedruckte Papierle" waren es, die Ebner als Kind fasziniert hatten, alte Postkarten mit längst vergangenen Idyllen, die er auch heute noch sammelt. Immer habe es ihn interessiert, was hat sich verändert, was kann man heute noch erkennen, erklärt er. Und so begnügt er sich nicht damit, einfach nur darzustellen, was er gefunden hat, sondern leitet sein Buch mit einer achtseitigen, fast manisch anmutenden "Gebrauchsanweisung" für individuelle Gasthaus-Entdeckungen ein, da diese auch ein Schlüssel zur "Historie vor unserer Haustür" sein können. Er selbst geht folgendermaßen vor: "Zu Fuß einkreisen; die Nachbarschaft prüfen; das engere Umfeld analysieren; ehemalige Gebäudefunktionen im Gasthaus-Ensemble erkennen; von außen nach innen und von unten nach oben betrachten; nichts übersehen; einen Blick fürs Detail entwickeln." Was man dabei alles erleben kann, ist in den Porträts der einzelnen Häuser aufs Vergnüglichste geschildert, auch treten immer wieder Personen und Persönlichkeiten auf, die mit den Gasthäusern in irgendeiner besonderen Verbindung stehen. Die Alte Post hat hier einen besonderen Status, sie ist eines der wenigen Beispiele, in denen reale Gasthäuser in der Literatur verewigt sind, und dazu noch so schön in Hebels Reimen: "Z’ Müllen an der Post..." Als treuen Stammgast hat Ebner in einem Exkurs zu diesem Kapitel den Badenweiler Bildhauer Gerhard Helmers porträtiert. "Ich hoffe, dass dieses Buch ein Anfang ist, und dass es weitergeht", sagt Hubert Matt-Willmatt angesichts der Fülle von historischen Gasthäusern, die noch auf ihre Wiederentdeckung warten. Mit seiner Website www.historische-gasthaeuser.de will Ebner dieser Art von Kulturgeschichte eine größere Plattform geben. Hier können interessierte Inhaber gegen einen Unkostenbeitrag sich und ihre Häuser vorstellen. 20 000 bis 30 000 Zugriffe pro Monat verzeichne dieses Angebot, und neben Deutschland seien vor allem die Schweiz und die USA unter den Interessenten, berichtete Ebner. Der Familie Mack zollten die beiden Autoren großes Lob für ihr Engagement für das 260 Jahre alte Haus mit seinem noch viel älteren Gewölbekeller, das 1991 als erstes Hotel Deutschlands "Umwelthotel des Jahres" wurde. Info: Frank Joachim Ebner, 25 historische Gasthäuser in Baden – Ein Handbuch für Zeitreisende, 211 Seiten, viele Fotos und Reproduktionen, 2013, Gmeiner-Verlag Messkirch, für 14,99 Euro erhältlich im Buchhandel und in den beschriebenen Häusern.