Sonntag, 19. November 2017
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GaultMillau

13 GaultMillau-Punkte für unser Restaurant "Hebelstube"


Hauspoet Joahann Peter Hebel leerte hier manches Fläschle und ließ sich davon zu ein paar hübschen Versen inspirieren. In der edel getäfelten Hebelstube wird werbewirksam sein Andenken gepflegt. Sonst aber gibt sich die Alte Post entschieden modern. Olaf Wortmanns Küche surft nicht ungeschickt auf der Ökowelle. 

Nicht zum ersten Male fiel uns auf, dass die Vorspeisen origineller und raffinierter geraten als die Hauptgerichte, die stets für zwei Heißhungrige reichen und zuweilen im Zutatenüberfluss untergehen.

 

Bei Blumenkohl-Panna-Cotta mit süßem Thymian, Olivenkrokant, Bohnen und einer mit Chardonnay geweinten Vinaigrette hüpft nicht nur Vegetariern das Herz, und das auch vom Mundgefühl her hochinteressante Matjestörtchen verbindet das milde Salz des jungfräuchlichen Fisches mit der sanften Schärfe eines Wasabi-Erbsenpürees und einer Pumpernickelsüße, die von Limetten ins Feinsäuerliche gewendet wird. Selten genossen wir in der Alten Post eine so perfekt ausgewogene Komposition!

 

Doch das Glück währte nicht ewig: Wolfsbarsch mit Rosmarinsauce, sautierten Pfifferlingen, Oliven, Knusperspeck, Auberginenravioli und tomatisiertem Mangold kommt einem schon beim bloßen Lesen überladen vor. Auch eine üppige Surf´n Turf-Zubereitung erwies sich nicht als geschloßenes Ganzes, sondern nur als unausgegorene Addition disparater Teile: Zu mit Sesam und zu viel Pfeffer paniertem Kalbsfiletmedaillons samt knackiger Garnelen gesellten sich ein nicht sonderlich "feuriges" Gemüsecouscous und durchaus gut gegarte, aber in diesem Kontext unpassende dicke Bohnen. Beim Anblick der auch ästhetisch unbefriedigenden Riesenportionen mussten wir zunächst tief Luft holen...

 

Belanglose Desserts wie das sehr süße Passionsfruchtespuma im noch süßeren Baisermantel mit ausdrucksschwachem Himbeer-Buttermilcheis erlauben es leider auch nicht, die Note aufzurunden. Wir dedauern das aufrichtig, weil das erkennbare Potential dieser Küche eigentlich weit mehr erwarten lässt.

 

Gottlob sind hinreichend Trostspender in Form excellenter badischer (vor allem Markgräfler) Weine im Angebot - sogar in imponierenden Großflaschen. Dem im Prinzip flotten und frendlichen Jung-Mädchen-Service fehlt hin und wieder die ordnende Hand.