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22.08.2007 Von: Badische Zeitung

Paprika - Die gezähmte Feurige

Ein perfektes Essen erfordert hervorragende Zutaten. Die Region hat davon besonders viele zu bieten. Welches Obst oder Gemüse hat gerade Saison? Welche Produkte bieten die Wochenmärkte an? Die BZ stellt sie vor.


Es gibt viele Gründe, Gemüsepaprika zu verschmähen. Aber der gewichtigste ist die oft hohe Belastung mit Pestiziden. Jedes Jahr gibt es neue Untersuchungen, und stets werden Schoten gefunden, die alle Grenzwerte überschreiten. Weil es sich meist um ausländische - vornehmlich spanische oder türkische - Ware handelt, gibt es Leute, die auf Paprika so lange verzichten, bis er aus heimischem Anbau verfügbar ist. Das ist hart. Denn deutsche Freilandpaprika gibt es tatsächlich nur im Sommer; erst dann bekommt das wärmeliebende Nachtschattengewächs auch bei uns, was es braucht. So ergibt sich auch die Differenz zwischen Anbau und Verzehr: Nur fünf Prozent des hier verkauften Paprikas stammt auch aus Deutschland. Der Rest kommt von anderswo und ist keineswegs nur unbedenkliche Bioware.

Wie erfreulich also, dass einen die bunten Schoten nun am Stand der Lieblingsmarktfrau anlachen. Manche sind auch vielleicht nicht ganz rund. Und auch bei den Farben gibt es Unstimmigkeiten. Doch dafür weiß man, wenn man in die rohe Schote beißt, sofort, warum sich das Warten noch gelohnt hat: Paprika von hier schmeckt einfach viel besser!

Auch Heiner Mack gerät sofort ins Schwärmen. Der Patron der "Alten Post" in Müllheim bietet seinen Gästen eine vegetarisch orientierte Küche. Trotzdem ist es für ihn, selbstverständlich, darauf zu warten, dass Obst und Gemüse im Land reif werden. "Ich brauche frische Ware ohne lange Transportwege", sagt Mack, der zudem am liebsten aus biologischem Anbau kauft. Als ihm sein Händler diese Woche Paprika anbot, konnte er nicht widerstehen: "So schmeckt für mich der Sommer", sagt er, "nach Paprika." Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass es der Paprika in deutsche Mägen schaffte. Erst in den 50er-Jahren führten uns die hier lebenden Italiener, Spanier und Türken vor, was man daraus machen kann. Die eigentliche Heimat des Paprika aber ist Südamerika. In ihm flißet das Blut der feurigen Chilischote. 5500 Jahre hatte diese schon auf dem Buckel, als Kolumbus sie um 1500 nach Europa brachte, wo ihr Züchter nach und nach die Schärfe austrieben. Auf ihrem Siegeszug durch die Länderküchen verband sich die zunehmend liebliche Schote dann in Griechenland mit Schafskäse, in Frankreich mit Auberginen, Zucchni und Tomaten zu Ratatouille und in Italien mit Mandarine zu einer Vorspeise. Die Ungarn entwickelten dickfleischige Varianten und machten den Paprika sogar zum Nationalgemüse.

Allein in Deutschland taugt er häufig nurmehr als Farbkleicks im Salat. Viele Menschen bevorzugen hier die grünen Sorten, obwohl die roten gesünder sind. Dass man Paprikaschoten gut füllen kann, hat ihnen Hackfleischbrät als ständigen Begleiter zugeführt. Heiner Macks vegetarische Alternative kommt in der "Alten Post" aber auch bei eingefleischten Paprika-Fans an. Gemüse im Gemüse. Lecker!
 

Paprika - vegetarisch gefüllt

Zutaten für 4 Personen:

4 Paprikaschoten, 2 Auberginen, 2 Karotten, 2 Zucchini, 200g Bohnen, 200g Kartoffeln, Basilikum, Petersilie, Koriander, Salz und Pfeffer, Olivenöl zum Braten, etwas Gemüsebrühe

 

Zubereitung:

Das geschälte Gemüse sowie die Kartoffeln in keline Würfel schneiden. In Olivenöl andünsten, mit den Kräutern würzen und mit Salz & Pfeffer vermischen. Den Deckel der Paprikaschoten entfernen und die Paprika aushöhlen. Kartoffel-Gemüse-Mischung hineinfüllen. In einen Bräter setzen und mit Gemüsebrühe bei 160 Grad 30 Minuten dünsten. Dazu passt Tomatensauce.